Adventliche Geduld (Jakobus 5,7-11)
Gottesdienst am 6.12.2015 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
im Advent feiern wir das Kommen Jesu in unser Leben und in unsre Welt. Wir erwarten, dass er sich zeigt. Wir locken ihn mit Kerzen und Lichtern herbei, dass er uns nicht übersieht oder verpasst. Wir sehnen uns nach seinem Frieden in dunkler, von Bürgerkriegen, Flucht und Terror geplagter Zeit.

Jakobus schrieb seinen Gemeindebrief, um die Sehnsucht und Hoffnung auf Jesus wachzuhalten. Die Gemeinde war damals keine Gegenwelt mehr, man hatte sich in das gesellschaftliche Leben eingefügt. Intern redete man schlecht übereinander, längst waren weltliche Maßstäbe auch in die Gemeinde eingezogen. Reich war gut, arm war schlecht. Man meinte, sein Leben größtenteils im Griff zu haben und Gott nur für Notfälle zu brauchen. Das Gebet von Herzen war längst nicht mehr selbstverständlich. Hier setzte Jakobus mit seinem Brief ein Stopp-Zeichen. Er zeigte den Horizont auf. Jesus kommt wieder, darauf sollte sich die Gemeinde vorbereiten. Es war nicht egal, wie einzelne ihr Leben gestalteten. Sie sollten so leben, dass Jesus nicht den Kopf über sie schütteln musste. Jakobus machte keine Angst vor dem Richter Gott, sondern warb darum, Jesus mit dem ganzen Lebensvollzug zu entsprechen. Er legte ihnen ans Herz, trotz des Ausbleibens Jesu Geduld zu haben und diese Geduld aktiv zu gestalten.

Jakobus 5,7-11

Liebe Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus, bis der Herr kommt! Seht, wie der Bauer voller Geduld auf die kostbare Frucht der Erde wartet. Er weiß, dass sie zum Wachsen den Herbstregen und den Frühjahrsregen braucht. Auch ihr müsst geduldig ausharren! Fasst Mut; denn der Tag, an dem der Herr kommt, ist nahe. Klagt nicht übereinander, sonst muss Gott euch verurteilen. Der Richter steht schon vor der Tür. Liebe Brüder und Schwestern, denkt an die Propheten, die im Auftrag des Herrn geredet haben. Nehmt euch ein Beispiel daran, wie standhaft sie alles ertrugen, was man ihnen antat. Sie alle, die durchgehalten haben, preisen wir glücklich. Ihr habt gehört, wie geduldig Hiob die Proben ertrug, die ihm auferlegt wurden, und wisst, wie der Herr ihn am Ende belohnt hat. Der Herr ist voller Liebe und Erbarmen.

Dreifach wirbt Jakobus um Geduld, die sich auf dem schmalen Grat zwischen Nichtstun und Die-Zukunft-selbst-in-die-Hand-Nehmen bewegt.

Die Geduld des Bauern: Sorgen abgeben

Der Bauer muss auf Regen warten, damit sein Wintergetreide wachsen kann. Ohne Wasser wird er keine Ernte einfahren. Aber natürlich wird er während des Wartens auf Regen nicht schlafen oder shoppen gehen. Er wird den Boden lockern, dass das Wasser eindringen kann. Er wird Unkraut jäten und die Vögel vom Acker vertreiben. Die Geduld des Bauern zeigt sich darin, dass er die Sorge um die Ernte in Gottes Hand legt. 

Geduld im Advent bedeutet für uns folglich, dass wir die Sorge um unser Leben und unsere Themen in Gottes Hand legen. „Wie wird es werden?“, „Schaffe ich das Projekt?“, „Was ist, wenn“, so sind die typischen Sorgen-Fragen, die uns Tag und Nacht umtreiben. Und meistens haben wir diese Dinge nicht in der Hand, lassen uns aber gefangen nehmen von dem Anspruch, wir müssten das Wasser auf unsere Projekte regnen lassen, damit sie gedeihen.

Sorge in Gottes Hand zu legen, bedeutet, dass wir frei werden für die Aufgaben, die in unsere Möglichkeiten fallen. Erde bearbeiten und Unkraut rupfen, das können wir tun. Reifen ist Gottes Sache, sonst geht es uns mit unseren Projekten wie mit den Wintertomaten, die zwar äußerlich perfekt aussehen, aber nach Papier schmecken, weil ihnen die Sonne fehlt.

Wenn ich das Morgen nicht in der Hand habe, bleibt mir viel mehr Kraft für das Heute, so als wäre es der letzte Tag. Ich kann erfüllt meine Energien in diesen Tag legen, kann ihn versöhnt und aufgeräumt beschließen und mich über die vielleicht einzige Blume am Wegabschnitt des Tages freuen. Und für morgen sorgt der Herr.

Die Geduld der Propheten: Mut

Die biblischen Propheten waren sich sicher, dass Gott seine Ankündigungen wahr machen würde. Sie hatten Mut, die Botschaft Gottes weiterzugeben trotz reichlichem Gegenwind bis hin zur Bedrohung ihres Lebens. 

Mut in der Adventszeit bedeutet, mit dem Kommen Jesu in diese Welt zu rechnen, sie nicht ins Reich der Fabeln zu verbannen. Wenn Jesus wirklich wiederkommt, geht es jetzt darum, sein Licht weiterzugeben, vom Glauben zu erzählen, Hoffnung und Zuversicht weiterzugeben und einfach dazu zu ermutigen, die Türen und Fenster offen zu halten, dass Jesus ins Leben kommen kann. Wir können mit diesem Licht auch in unsere manchmal schweren Lebenstage gehen und mutig bekennen: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. 

Mut brauchen wir auch in herausfordernden Lebenslagen, wenn wir uns vorkommen, als würden wir mit Petrus damals auf dem Wasser laufen. Die Wellen können so hoch schlagen, dass wir Jesus dabei aus der Sicht verlieren, aber er wird uns halten und nicht untergehen lassen, wie er es bei Petrus tat. 

Mut ist in der Begegnung mit unseren Mitmenschen nötig. Mutig können wir zu unseren eigenen, von Jesus geprägten Werten stehen, müssen uns nicht verbiegen, dürfen mit Jesu Rückendeckung ehrlich sein.

Die Geduld der Gemeinde: Zusammenhalt

Jakobus legt der Gemeinde ans Herz: Murrt und stöhnt nicht übereinander. Sein ganzer Brief scheint aus Weisungen zu bestehen, wie die Gemeinde angesichts des kommenden Jesus sich verhalten soll. Diese Thema war besonders wichtig war für ihn. Glaube, so seine Überzeugung, zeigt sich nicht in Bekenntnissen, sondern im Umgang miteinander und in Taten. Um die Zeit, bis Jesus wiederkommt, geduldig zu gestalten, ist die Gemeinschaft so wichtig. Unterstützung ist nötig, Gemeinde ist für Jakobus eine Selbsthilfegruppe, die vom Heiligen Geist befähigt zusammenhält.

Was den Zusammenhalt stört:

  • Das Gefälle zwischen Arm und Reich
  • Das schlechte Reden übereinander und untereinander
  • Hochmut, alles allein zu können
  • Unverbindlichkeit, ein Ja ist kein Ja
  • Fehlendes Gebet.
Positiv stärkt den Zusammenhalt, dass wir Geschichten, die wir miteinander erlebt haben, vergeben und offen für neue Anfänge sind. Dass wir uns bei unserem Reden beherrschen. Kann der, über den wir gerade reden, hinter der Tür mithören? Kann die, um die es in meiner Mail geht, diese Mail lesen, falls ich sie fälschlich an sie schicke? Auch die Verbindlichkeit stärkt den Zusammenhalt. Welch ein Unterschied, wenn wir uns aufeinander verlassen können oder stattdessen immer davon ausgehen, im Zweifelsfall allein da zu stehen.

In einem letzten Abschnitt führt Jakobus das Gebet an, nicht als Anhängsel, sondern als Höhepunkt – wenigstens das sollten sich die Gemeindeleute, denen dieser Brief vorgelesen wurde, merken. Für Kranke sollten sie beteten, füreinander und miteinander gemeinsam um Gebetserhörung ringen. Überhaupt wird deutlich, wie wichtig Jakobus die Gebetsgemeinschaft ist. Und wir – praktizieren wir sie selbstverständlich, oder sollten wir sie einüben als die Äußerung unseres gemeinsamen Einstehens vor Gott? 

Diese wenigen Punkte, die Jakobus aufführt, helfen schon, den Zusammenhalt zu stärken und so geduldig der Ankunft Jesu entgegenzusehen.

Wir brauchen Geduld, wenn wir auf Jesus warten. Wir können sein Kommen nicht herbeizwingen. Aber wir sitzen auch nicht einfach auf der Couch und ergehen uns im seligen Nichtstun. Stattdessen gestalten wir unseren Alltag tatkräftig und rechnen doch mit Gott:

  • Wir geben unsere Sorgen um morgen ab und gestalten diesen Tag wie der Bauer, der auf Regen wartet.
  • Wir leben mutig unseren Glauben und packen Gottes Auftrag an, wie es die Propheten taten.
  • Wir halten als Gemeinde zusammen, weil wir die Gemeinschaft mit Jesus und untereinander brauchen. Ausdruck findet das im gemeinsamen Gebet, in der Fürsorge füreinander und in unserer Haltung zueinander sowie unserem Umgang miteinander.
Gemeinde ist das Wertvollste, das Gott auf dieser Erde hat. Sie ist der Leib seines Sohnes. So kann Jakobus abschließen mit den Worten: „Der Herr ist voller Liebe und Erbarmen“. Er ist mit uns unterwegs und geht uns entgegen.
Cornelia Trick


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