Gott hilft durch viel oder wenig (1.Samuel 14,1+3-15)
Gottesdienst am 21.8.2016 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
Marcus Walz wird ein glücklicher Mann gewesen sein, als ihm bei den Olympischen Spielen in Rio die Goldmedaille im Kajak-Einer über 1000m überreicht wurde. Gold bekam er auch deshalb, weil ein anderer Kanute, der Favorit war, Blätter in sein Steuer bekam und nicht mehr richtig rudern konnte. Einfache Blätter, die von Bäumen gefallen waren, haben Marcus Walz den Olympiasieg beschert. Kleine Ursache, große Wirkung. 

Eine solche Erfahrung machte Jonathan, der Sohn von König Saul ca. 1000 Jahre vor Christus. Die Philister waren damals die stärksten Feinde Israels. Sie zogen plündernd und mordend durch die Städte und Dörfer. Verboten war das Schmiedehandwerk, um Israel an der Waffenproduktion zu hindern. Wer einen Schmied brauchte, musste zu den Philistern gehen. Viele der Israeliten waren zum Lager der Philister übergelaufen, sie wollten bei den Siegern sein. Von ursprünglich 3000 waren nur noch 600 Leute in Sauls Armee übrig.

1.Samuel 14,1+3-15

Eines Tages sagte Jonatan, der Sohn Sauls, zu seinem jungen Waffenträger: »Komm, wir gehen zu dem Philisterposten dort drüben!« Seinem Vater verriet er nichts davon. Saul befand sich zu diesem Zeitpunkt am äußersten Ende des Gebiets von Gibea unter dem Granatapfelbaum beim Dreschplatz. Er hatte etwa 600 Mann bei sich. An der Stelle, an der Jonatan das Tal überqueren wollte, ragte auf jeder Seite eine Felsspitze auf; man nannte die beiden Felsen Bozez und Senne. Der eine erhob sich wie ein Pfeiler im Norden, auf der Seite von Michmas, der andere im Süden, auf der Seite von Geba. Jonatan sagte also zu seinem jungen Waffenträger: »Komm, wir gehen zu dem Posten dort drüben, zu diesen Unbeschnittenen! Vielleicht hilft uns der HERR; denn es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen. »Nur zu«, sagte der Waffenträger; »tu, was du vorhast! Ich bin dabei, du kannst dich auf mich verlassen.« Jonatan sagte: »Wir gehen auf sie zu, und zwar so, dass sie uns sehen müssen. Wenn sie uns dann zurufen: 'Halt! Stehen bleiben, bis wir bei euch sind!', dann bleiben wir stehen, wo wir gerade sind, und steigen nicht zu ihnen hinauf. Sagen sie aber: 'Kommt herauf zu uns!', so klettern wir hinauf. Das soll das Zeichen für uns sein, dass der HERR sie in unsere Hand gegeben hat.« Sie gingen also und zeigten sich ganz offen dem feindlichen Posten. Als die Philister sie sahen, sagten sie zueinander: »Seht nur, da kommen ein paar Hebräer aus den Löchern, in die sie sich verkrochen haben!« Sie riefen den beiden zu: »Kommt herauf zu uns! Wir haben ein Wörtchen mit euch zu reden!« Da sagte Jonatan zu seinem Waffenträger: »Mir nach! Der HERR hat sie in die Hand Israels gegeben!« Jonatan kletterte auf allen vieren hinauf und sein Waffenträger hinter ihm her. Da fielen die Philister vor Jonatan einfach um, und der Waffenträger, der hinter ihm herging, tötete sie.  Bei diesem ersten Schlag gegen die Philister hatten Jonatan und sein Waffenträger an die zwanzig Mann auf kleinstem Raum erledigt.  Alle Philister packte das Entsetzen – die im Lager und die im Gelände, das ganze Heer, auch die Wachtposten und alle, die zur Plünderung ausgezogen waren. Als dann auch noch die Erde bebte, brach unter ihnen eine Panik aus, die Gott geschickt hatte.

Die Truppen der Philister lagerten hinter einer Bergkuppe, obendrauf standen Wachen. Jonathan erreichte den Fuß des Berges zusammen mit seinem Waffenträger. Er fasste den Entschluss, zu den Philistern zu gehen. Seine Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass Gott auch durch Kleinigkeiten helfen konnte. Er war bei diesem Vorhaben nicht allein, sein Begleiter sagte ihm volle Solidarität zu. Jonathan machte mit Gott einen Handel, auch wenn seine Aussagen nicht als Gebet formuliert sind. Er erwartete von Gott ein Signal, dass er sich den Philistern nähern sollte. Als die riefen „Komm!“, kroch er auf allen Vieren los. Auch wenn uns das wie eine nette Nebenbemerkung erscheint, hat es doch tieferen Sinn. Der Königssohn begibt sich auf die Knie. Er geht keinen ebenen, leichten Weg, er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Es ist ein Weg ins Ungewisse, nur mit der Gewissheit, dass Gott ihn dazu beauftragt hat. 

Wie groß war die Überraschung, als über die Philister buchstäblich ein Gottesschrecken fiel. Die Wachen fielen einfach um, es gab einen riesen Tumult im Lager, jeder stand gegen jede auf. Jonathan konnte zusehen, wie die Feinde in sich zusammenfielen. Seine einzige Aktivität bestand darin, den Berg heraufzukriechen. 

Diese Begebenheit ermutigt uns, Gott auch in schwierigen Zeiten zu vertrauen. Er kann durch viel oder wenig helfen.

Jonathan hatte ein Anliegen

Klar war, was Jonathan wollte: Befreiung von den Philistern. Was liegt uns persönlich auf der Seele? Krankheit und Kraftlosigkeit, Sorge um einen anderen Menschen oder eigene Sackgassen. Wir können diese Themen wie Jonathan vor Gott bringen, ihm damit in den Ohren liegen. Manchmal hilft es auch, um ein Zeichen zu bitten. Nicht immer wird dieses Zeichen uns gleich zum Ziel bringen. Aber es vergewissert uns, auch auf Umwegen mit Gott unterwegs zu sein. Auch dort mit seiner Hilfe rechnen zu können. 

Jonathan hörte nun das Schlüsselwort „Komm!“, und er ging los. Gehen wir auch los, oder zögern wir, weil wir uns trotz Zeichen nicht sicher sind? Hätte Jonathan gezögert, wäre die Gelegenheit vorbei gegangen. Er hätte keine Gotteserfahrung gemacht, und die Philister hätten weiterhin die Oberhand gehabt.

Blicken wir auf unsere Gemeinde – denn Jonathan hatte ja nicht nur sein persönliches Schicksal, sondern das der Israeliten im Blick – so ist unser Anliegen klar. Wir wollen, dass hier ein Ort ist, an dem Menschen Orientierung finden und lernen, Gott zu vertrauen. Nicht nur durch Gottesdienste werden sie das erfahren, persönliche Begegnung und Begleitung von uns allen wird nötig sein.

Wenn wir also darum beten, dass Menschen hier Gott finden, schließt es ein, bereit zu sein:

  • jemand einzuladen und mitzunehmen,
  • für jemand da zu sein, ihm Zeit zu schenken, mit ihm auch Zeiten der Orientierungslosigkeit auszuhalten,
  • einem anderen Platz zu machen, der diesen Platz nötiger braucht.
Ein Anliegen erledigt sich selten von selbst, ich muss, wir müssen dran bleiben und es täglich bewegen, mit Gott teilen und erwarten, dass er uns das Signal zum Aufbruch gibt.

Jonathan hatte Leidenschaft

Der Königssohn krabbelte auf Knien den Berg hinauf. Die wenigsten von uns beten heute noch auf Knien, aber es ist ein Bild für eine Haltung des Herzens. Wer auf Knien ist, nimmt eine tiefere Position ein, steht in einem Abhängigkeitsverhältnis. Er kniet, kann nicht gleich weglaufen oder aufspringen. Zunächst ist er oder sie in dieser Position ortsfest. Wer kniet, begibt sich bewusst in die Hand Gottes, nicht nur so zwischendurch und im Vorbeigehen. Kniende sind vielleicht auch eher bereit für niedere Aufgaben, die nicht so viel Ehre bringen wie die im Rampenlicht. 

Es ist eine ehrliche Frage an mich selbst, bin ich bereit zu knien für mein Anliegen? Ist es mir so wichtig, dass ich mich in die Abhängigkeit von Gott begebe und warte, was er sagt oder tut?

Vielleicht liegt das Problem aber gar nicht im Knien, sondern schon davor. Vielleicht ist die Leidenschaft für Gott gar nicht so stark, ihn überhaupt in die Herzensangelegenheiten einzubeziehen. Wie können wir die erste Liebe wieder entfachen? Wir brauchen dazu eine Tankstelle, die unseren leeren Tank füllt. Menschen, die uns helfen, wieder mit Gott in Kontakt zu kommen, Orte, die in besonderer Weise Inspiration geben, Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen und im Aufnahmemodus sind. Von allein geschieht das selten, diese Tankstelle der Liebe Gottes müssen wir bewusst aufsuchen.

Jonathan war nicht allein, sein Begleiter hielt zu ihm

Jesus sagte einmal seinen Jüngern: Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 18,20). Im Reich Gottes gibt es keine Einzelkämpfer, sondern mindestens 2 oder 3. Unsere Anliegen sollten wir nicht allein mit uns herumschleppen, sondern einen Menschen suchen, der mitgeht und mitträgt.

Der Begleiter von Jonathan hatte sich nicht selbst aufgedrängt, Jonathan hatte ihn beauftragt, mit ihm zu gehen. Das ermutigt uns, jemand bewusst darauf anzusprechen, ob er für eine Situation mit betet.

Unser Anliegen als Gemeinde sollten wir auch miteinander vor Gott bringen, nicht pauschal und anonym, sondern 2 oder 3 miteinander im ganz normalen Alltag. Wie kann das aussehen? Vielleicht ruft man sich an und betet am Telefon. Man macht eine Uhrzeit aus, wo beide für das gemeinsame Anliegen beten. Man geht miteinander spazieren und betet dabei, viele Möglichkeiten, diese Geschichte aus dem alten Israel ins eigene Leben zu transportieren.

„Es ist dem Herrn nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen.“ Ganz wörtlich dürfen wir das nehmen. Manchmal reicht ein Blatt im Steuer, um einem anderen zum Sieg zu verhelfen. Manchmal reicht ein liebevolles Wort, um dem Tag einen Sinn zu geben. Manchmal braucht es mächtigen Sturm, dass Gottes Wille geschehen kann.

Wir brauchen einander, um unsere Berge auf den Knien zu erklimmen.

Cornelia Trick


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