Pfingsten geht weiter (Apostelgeschichte 2,42-47)
Gottesdienst am 11.6.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
eine Bekannte von mir wohnt mitten in der Innenstadt an einer belebten Hauptstraße. Sie lebt im Sommer eigentlich hauptsächlich in ihrem Schrebergarten. Er ist ihr Zufluchtsort und Paradies, hier kommt sie zur Ruhe, fühlt sich in Einklang mit der Schöpfung und lädt viele gute Freunde ein, das Paradies mit ihr zu teilen.

Pfingsten ist der Himmel auf die Erde gekommen, mitten in Jerusalem blühte ein Garten. Die Menschen waren glücklich und erfüllt mit Hoffnung und Zuversicht, sie fühlten sich gehalten. Jeder verstand die andere, egal in welcher Sprache sie zuhause waren. Soziale Unterschiede spielten keine Rolle mehr, unschöne Geschichten, die man miteinander hatte, waren vergessen. Diese Paradies-Garten-Gesellschaft hatte eine ungeheure Anziehung. Der Garten quoll über von Menschen.

Die Apostelgeschichte startet mit dem Pfingstereignis und beschreibt die weiteren Entwicklungen. Sie gibt uns damit ein Leitbild, wie die Gemeinde Gottes am Anfang war und heute immer noch sein kann, ein Garten, um Gott und einander zu begegnen.

Apostelgeschichte 2,42-47

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Dem Paradiesgarten Gemeinde können wir uns von außen ganz langsam nähern. 

Gemeinschaft

Gemeinschaft ist ein Kennzeichen des Gemeinde-Gartens. Wir merken, Gemeinde ist keine typische Schrebergartensiedlung, wo jeder für sich seine Parzelle pflegt, meistens auch in Konkurrenz zueinander, wer die größten Radieschen hat. Im Gemeinde-Garten ist man zusammen am Werk, Hand in Hand werden die Aufgaben erledigt und gemeinsam die Früchte genossen. Wer mehr hat, investiert das Saatgut für die anderen. Das eigene Geld wird in das Gemeinschaftsprojekt investiert, die Leute haben keine extra Kasse für den Garten zuhause. Hier ist ihr Lebensmittelpunkt, und hier wollen sie es schön machen. 

Noch ein Kennzeichen dieser Garten-Gemeinde-Gemeinschaft ist, dass man sich aufeinander verlassen kann. Regelmäßig kommen die Leute zusammen, man weiß, wen man am Sonntag dort trifft. Andere Termine werden um die Gartentermine drum herum gelegt, nicht andersherum.

Wer in diesem Garten zuhause ist, fühlt sich sicher. Da sind die anderen, die einem beistehen und der Eigentümer des Gartens, der immer bereit steht, um zu helfen und zu schützen.

Brotbrechen

Im Garten Gemeinde ist Essen ein wesentlicher Bestandteil des Miteinanders. Bei der gemeinsamen Mahlzeit genießt man die Früchte der Arbeit, lässt sich fallen und ist offen für ein gutes Wort. Man redet über Gelungenes und Misslungenes. Brot und Wein werden herumgereicht, und alle schauen auf den leeren Stuhl am Tisch, der symbolisch für Jesus freigehalten ist. Jesus ist bei ihnen, er hat ihnen den Garten geschenkt, er sorgt für sie auch jetzt bei dieser Mahlzeit. Essen und Trinken schenken Kraft und eine neue Sicht für das, was nötig ist und getan werden muss. 

Die Tischgemeinschaft hört die Zusage des Gastgebers Jesus: „Du bist nicht allein am Rödeln“. Miteinander und unterstützt von Jesus sind manche Lasten zu schultern.

Die Mahlzeit wird zum Fest des Lebens. Und Jesus ist mitten dabei, der zusagt, dass er Brot des Lebens ist, was kann es besseres geben?

Gebet

Wie eine Auszeit von der Gartenarbeit, dem Unkrautjäten, dem Graben und Pflanzen, Hegen und Ernten erscheint das Gebet. Bildlich ist das ja leicht vorstellbar. Da sitzt eine mitten in den Beeten mit dreckigen Händen und verschwitzten Kleidern. Aber sie macht nicht fließbandmäßig immer weiter, sondern setzt sich einfach mitten hinein zwischen die Erdbeeren. Sie lässt ihren Blick schweifen und kommt ins Staunen. So groß ist der Herr! Sie spürt Jesu Nähe und Liebe, sie schüttet ihr Herz aus und macht es leer für Jesu Liebe. Nach einer Viertelstunde steht sie wieder auf und macht mit ihrer Arbeit weiter. Sie ist erfrischt und gestärkt, ihr Rücken wieder elastischer, als ob jemand eine schlappe Blume gegossen hätte, die sich wieder aufrichtet.

Dann gibt es Zeiten, wo sich die Gartengemeinschaft zusammenfindet und miteinander diese Auszeit mit Jesus genießt. Einer hat den Eindruck, er sollte einer anderen die Hand drücken und ihr versichern, dass Gott sie im Blick hat. Eine bekommt neue Ideen für die Gartengestaltung, und einem fallen seine Arbeitskollegen ein, die er mal in den Garten mitbringen könnte. Diese Auszeit ist scheinbar unproduktiv und doch in höchstem Maße produktiv. Wie wenn das Handy still aufgeladen wird, scheinbar ganz inaktiv, doch richtig stark unter Strom, so ist das Gebet, allein oder gemeinsam: Gott "lädt uns auf" und macht uns bereit für die nächsten Aufgaben.

Gerade diese Gebetsauszeiten können wie ein „Herzlich willkommen“-Schild auf unsere Mitmenschen wirken. Dass man im Garten arbeitet, ist normal, auch dass gefeiert wird, weiß jeder, aber dass es diese energiegeladenen Auszeiten gibt, die offensichtlich so viel bewirken, ist etwas Besonderes. Wie schön, wenn die Gartenzäune um den Gemeindegarten nicht zu hoch sind und man von außen hineinschauen kann.

Lehre der Apostel: Erzählen von Jesus

Die Jünger, die mit Jesus unterwegs waren und nun Apostel hießen, hatten Jesus selbst erlebt. Sie erzählten von seinen Wundern, wie er 5000 auf einmal satt machte, sie erzählten von Heilungen, wie er einmal eine gekrümmte Frau aufrichtete, und sie wieder ins Angesicht ihrer Mitmenschen schauen konnte, sie gaben Jesu Worte in der Bergpredigt wieder und erinnerten an sein Gebot, die Feinde zu lieben. Sie erinnerten an Jesu Vorhersagen, dass der Heilige Geist die Verbindung zu ihm herstellen würde auch nach Ostern. Sie hielten mit ihren Ausführungen Jesu Worte und Taten lebendig, denn eine Bibel, in der über Jesus geschrieben war, gab es ja noch nicht.

Damals hatte dieser Gemeinde-Garten großen Zulauf. Die Leute fanden Sicherheit in unsicheren Zeiten, sie wurden vom Heiligen Geist erfüllt und wussten sich in Jesu Nähe geborgen.

Heute kommt es mir manchmal so vor, als wäre der Gemeinde-Schrebergarten nicht der wunderbare Lebensmittelpunkt, der Fluchtpunkt aus Betonwüsten aller Art, sondern ein eher anstrengendes Erbe, das man eben so gut es geht und weil es die Pietät gegenüber den Vorfahren gebietet, beackert. Man geht nur hin, wenn man muss, oder weil man ein bestimmtes Fest dort feiern will. 

Wenn wir über das Pfingstfest und seine Auswirkungen heute nachdenken, wird es ein erster Schritt sein, uns klarzumachen, wie wir zum Garten Gemeinde stehen. Notwendiges Übel, das wir geerbt haben, oder Paradies-Garten der Freude und Gottesbegegnung? Oder irgendetwas dazwischen?

Wir haben unseren Umgang mit diesem Garten selbst in der Hand. 

Nehmen wir das Leitbild der Gemeinde, dass die Apostelgeschichte uns hier malt, so können wir Gemeinde mit diesen vier Stichworten gestalten.

  • Die Lehre der Apostel bedeutet für uns, uns zu vergegenwärtigen, was Jesus uns heute sagen will. Ich greife mal seine Werte heraus. Jesus sagt, wir sollen unsere Nächsten lieben. Das ist mehr als Solidarität und Inklusion, denn Liebe sieht im anderen Chancen und Möglichkeiten, fördert und freut sich mit dem anderen, leidet mit, wenn eine trauert oder krank ist. Diese Nächstenliebe gilt nicht nur für die Eigenen und nicht nur für die Garten-Mitbenutzer, sondern auch für Feinde. Für die, die uns das Lieben schwer machen, weil sie uns verletzt haben, uns geärgert haben, uns vielleicht sogar betrogen, belogen oder bestohlen haben und uns nach dem Leben trachten. Diese Liebe lernen wir von Jesus, und er gibt uns die Kraft dazu, allein können wir das nicht. Wir brauchen die Jesus-Erde, den Jesus-Dünger, den Jesus-Sonnenschein und Regen, dass diese Frucht wachsen kann.
  • Gemeinschaft ist nötig, sonst überfordert uns der Garten. Natürlich sind sich nicht alle gleich nah und erzählen jedem über ihre inneren Angelegenheiten. Doch in kleineren Teams sollte es möglich sein. Haben alle im Garten so ein Team? Eine Gruppe, eine Arbeitsgruppe, einen Kreis, wo sie wissen, hier bin ich offen, hier darf ich Schwäche zeigen und um Hilfe und Fürbitte bitten?
  • Die Mahlgemeinschaft, das gemeinsame Essen, ist sicher heute auch ein wichtiges soziales Mittel, um einander nahe zu sein. Aber auch übertragen lässt sich Mahlgemeinschaft leben. Jesus kommt zu uns in Worten der Bibel, Liedern, Texten. Wir können einander ein Wort per SMS weitergeben, das durch den Tag trägt, Jesus bewusst einbeziehen auch in unsere Gespräche untereinander, als ob er uns Brot und Wein reicht.
  • Das Gebet verbindet uns mit Jesus und ist wichtig wie das Gießwasser. In einem Buch, das ich mir gerade gekauft habe, werden 99 Gebetsstationen beschrieben, die mit Gruppen gestaltet werden können. 99 verschiedene Weisen, mit Jesus ins Gespräch zu kommen. Da wird eine Tapete aufgehängt und im Anklang an das Lied „10.000 Gründe“ eine 10.000 drüber geschrieben. Und nun sind die Leute dran, 10.000 Gründe zusammenzutragen, warum sie Gott loben.  Das Gebet ist Auszeit für uns. Wir können den Garten genießen und uns erholen. Wir müssen nicht rastlos immer weiterarbeiten, das Gedeihen schenkt der Herr.
Ein älteres Ehepaar aus Frankfurt erzählte mir von ihrem Garten im Grünen, in dem sie viele Jahre ihres Lebens in jeder freien Minute zugebracht hatten. Sie holten ein dickes Fotoalbum herbei und zeigten mir Bilder von Blumen und Menschen, die mit ihnen den Garten genossen hatten. So ein Ort der Freude, des Wachsens und der Begegnung möge Jesu Gemeinde sein und werden, dass wir im Rückblick das Gemeindealbum in die Hand nehmen und  staunend ein Blatt nach dem anderen anschauen, was der Herr Großes an uns und mit uns getan hat.
Cornelia Trick


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