Wir rudern für Jesus
Gottesdienst am 19.02.2006

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Paulus rief die Rudermannschaft "Christen in Korinth" ins Leben. Nachdem einige in Korinth zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, lud er diese jungen Christen ein, mit ihm ins Ruderboot zu steigen und zu lernen, miteinander Jesus nachzufolgen, um ans Ziel zu kommen. Paulus war im Ruderboot einer von ihnen, ergriff die Ruder wie sie und hörte auf den Steuermann wie sie. Der Steuermann war Jesus Christus. Er hatte als einziger das Ziel, die Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit, vor Augen. Die Ruderer schauten im Boot auf den Steuermann, das Ziel hatten sie im Rücken. Der Steuermann bestimmte den Kurs und die Schlagfolge. Solange sie auf Jesus hörten, konnten sie nicht vom Kurs abkommen. Doch nach den ersten Unterrichtsstunden musste Paulus das Boot wieder verlassen. Noch andere warteten darauf, von ihm für Jesus gewonnen zu werden und Anleitung im Rudern für Jesus zu bekommen. 

Vielleicht ist Paulus in Korinth zu früh aus dem Ruderboot gestiegen. Jedenfalls hatten die Korinther offensichtlich Probleme, mit ihrem Boot voranzukommen. Schon bald übertönten einzelne Ruderer die Stimme des Steuermanns Jesus. Statt auf Jesu Kommandos zu hören und ihm zu vertrauen, standen sie auf, drehten sich zu den anderen Ruderern um und schrieen den Sportsfreunden ihre eigenen Kommandos entgegen. Dabei kam das leichte Ruderboot schnell in Turbulenzen und drohte umzukippen. Statt das Ziel zu erreichen, stand der Untergang bevor.

Paulus erfuhr von dieser Entwicklung und schrieb den 1. Korintherbrief als extra Trainingsstunde. Damit wollte er die Korinther an die ersten Unterrichtsstunden im Rudern erinnern, als sie lernten, auf den Steuermann zu achten und ihren Platz in der Mannschaft einzunehmen. Er appellierte an ihren Teamgeist und an ihre Losung "Wir rudern für Jesus".

Paulus Extra-Trainingsstunde kann auch für uns wichtig werden. Unsere Gemeinde in Neuenhain ist doch auch ein solches Ruderboot. Vielleicht brauchen manche den Anstoß, den Schritt ins Boot zu wagen. Vielleicht sehnen wir uns nach Ermutigung, über alle Stimmen hinweg wieder neu die Stimme des Steuermanns zu hören. Vielleicht wird uns erneut wichtig, dass wir mit unserem Glauben etwas zu bewegen haben.

Eine Rudermannschaft mit Botschaft
1.Korinther 4,1-2
Ihr seht also, wie ihr von uns denken müsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben. Von Verwaltern wird verlangt, dass sie zuverlässig sind. 

Paulus stellt hier klar: Alle, die mit Jesus Christus in Verbindung stehen, sind in seinem Dienst. Nun kann man diesen Dienst sehr unterschiedlich verstehen.

Ein Bild dafür wäre der englische Butler, der seinem Herrn das Essen serviert, die Tür öffnet und Gäste empfängt, das Haus in Ordnung hält. Wer den Dienst für Jesus so versteht, wird eine Gemeinde überflüssig finden. Für ihn ist wichtig, dass er mit Jesus spricht und betet, sich seine Anweisungen durch intensives Bibelstudium vor Augen hält, befolgt  und die Welt außerhalb seiner Beziehung zu Jesus ausblendet. Wer an der Tür klopft und Jesus kennen lernen will, den führt der Butler-Christ zu Jesus, aber intensiv beschäftigen wird er sich nicht mit dem Suchenden.

Paulus legt sich in der Dienstbeschreibung eines Christen fest, leider ist das in der Übersetzung ins Deutsche untergegangen. Er gebraucht das Wort "Ruderknecht". So kommen wir zu dem Bild der Rudermannschaft. Ruderer im BootFür Jesus unterwegs zu sein, bedeutet, dass jeder und jede ihren Platz an den Rudern einnimmt und auf den Steuermann hört. Dabei ist die intensive Beziehung zum Steuermann das Wichtigste. Fast genauso wichtig ist aber das Zusammenspiel der Ruderer. Kommt nur einer aus dem Takt, droht die Fahrt zu scheitern.

So sitzen alle, die heute hier auf Jesus Christus hören wollen, mit in seinem Boot. Jede und jeder hat seinen besonderen Platz. Es ist nicht egal, ob er sein Ruder liegen lässt oder bewegt, dabei auf Jesus hört oder ganz anderen Stimmen vertraut. Das ganze Unternehmen "Gemeinde Neuenhain" hängt an jedem und jeder in diesem Boot.

Deuten wir das Bild weiter aus, müssen wir noch bestimmen, was sich hinter dem Rudern verbirgt. Was will Jesus von uns? Welche Aktivität führt uns dem Ziel entgegen? Paulus vergleicht die Aktivität mit einem Verwalter, der einen Schatz anvertraut bekam und nun in rechter Weise mit ihm umgeht. Als Ruderer in Jesu Boot haben wir einen Schatz anvertraut bekommen: Gott liebt diese Welt. Diesen Schatz verwalten wir. Wenn wir rudern, tragen wir ihn hinaus in die Welt. Jeder Ruderschlag ist ein Impuls, den wir von Gottes Liebe weitergeben. Nun haben wir nicht alle die gleichen Paddel, jedes ist verschieden. Paddel sind für mich die Gaben des Heiligen Geistes, mit denen wir ganz individuell die Liebe Gottes zu dieser Welt weitergeben. Die Paddel bestimmen nicht, was wir weitergeben. Das steht fest, die Liebe Gottes zu unserer Welt. Aber sie bestimmen, wie wir dieses Thema weitergeben, durch Barmherzigkeit, Lehre, Hirtendienst, Gastfreundschaft, Musik, um nur ein paar Gaben zu nennen.

Paulus erwartet zuerst von sich und Apollos, davon abgeleitet aber von der ganzen Gemeinde in Korinth, dass sie sich ihren Auftrag wieder bewusst macht. Es geht darum, ans Ziel zu kommen. Voran zu diesem Ziel kommt die Gemeinde nur, wenn sie Gottes Liebe in die Welt trägt. Behält sie die frohe Botschaft für sich, kommt das Boot nicht voran, die Ruder bleiben untätig liegen oder werden unsachgemäß bewegt.

Wie Ruderer sich im Boot verhalten
1.Korinther 4,7
Wer gibt dir denn das Recht, dir etwas einzubilden? Kommt nicht alles, was du hast, von Gott? Wie kannst du dann damit angeben, als hättest du es von dir selbst? 

Wer im Boot sitzt und die Ruder schwingt, kann sich darauf berufen, dass Jesus ihn ins Boot geholt hat und auf diesen Platz gesetzt hat. Anders als im Ruderverein zählen keine Zeugnisse oder Diplome, langjährige Mitgliedschaft oder großzügige Geldspenden. Alle Ruderer sind nur deshalb im Boot, weil Jesus es so wollte. Im Gegenteil. Andere werden denken, dass Jesus sich die ungeübtesten, unsportlichsten, unerfahrendsten und unbekanntesten Leute ausgesucht hat. Wir sind hier in der Gemeinde keine tollen Leute, die es in der Welt zu sonst etwas gebracht haben und deshalb hier sein dürfen. Keine besondere Kenntnis oder Auffälligkeit hebt uns aus der Masse der Menschen heraus. Nur Jesu Ruf, auf den wir geantwortet haben, lässt uns zu der besonderen Mannschaft gehören. Wir sind eigentlich viel zu unfähig, um etwas für Gott zu bewegen. Doch Jesus setzt sein Vertrauen ganz in uns. Er traut uns zu, dass wir ihm zuhören und uns mit seiner Kraft beschenken lassen. 

Die Korinther verstanden das nicht. Am Anfang ihrer Gemeindegeschichte hörten sie es gern, dass Jesus sie herausgerufen hatte aus einem unbedeutenden Leben. Aber nun besannen sie sich auf ihre besonderen Fähigkeiten und meinten, dass die einen einfach mehr zu sagen hätten als die anderen, egal, was der Steuermann dazu meinte. Ja, sie wählten ihre eigenen Steuermänner nach sehr menschlichen Kriterien. Zeugnisse und Auftreten gewannen wieder an Bedeutung.

Ich frage mich allerdings, was Paulus heute unserer Gemeinde schreiben würde. Viele von uns kennen schließlich den 1.Korintherbrief schon. Und es ist in unseren Köpfen, dass niemand hier besser oder schlechter ist, dass bei Gott keine menschlichen Auszeichnungen zählen. Wir haben vor zwei Wochen gehört, dass wir nur aus Gottes Gnade leben und uns auf nichts etwas einbilden können. Aber führt das nicht oft zu einem anderen Problem? Vor lauter Angst, nur ja nicht besser zu wirken als die anderen, verweigern wir die Verantwortung füreinander. Da arbeite ich mit jemand in der Gemeinde zusammen und bemerke, dass er immer lahmer wird, keine Zuversicht mehr hat, genervt ist von seinem Dienst und seine Zeit zunehmend verbringt, ohne Jesus im Blick zu haben. Mich rührt dieses Verhalten an. Aber ich traue mich nicht, ihn darauf anzusprechen. Bin ich etwa besser als er? Und was denkt er von mir? Als ob ich 24 Stunden mit Jesus verbringe ... Darf ich mich über ihn erheben? So schläft der Ruderkollege immer tiefer. Seine Ruder hängen zunehmend schlaffer im Wasser, ich muss seine Leistung mit erbringen und werde schließlich genauso schlapp.

Was läuft falsch? Paulus lehrt uns die 1. Lektion. Niemand kann sich auf irgendeinen Verdienst berufen, der ihn über andere erhebt. Von Jesus sind wir alle gleich abhängig und bedürftig. Lektion 2 baut darauf auf. Wir tragen Verantwortung füreinander und sind dazu verpflichtet, einander zu helfen, bei der Stange zu bleiben. Das geschieht nicht, weil einer besser ist als die andere, sondern weil Jesus das Boot ans Ziel bringen will und jeder gebraucht wird. Ich weiß, dass es ungemein schwierig ist, einander ehrlich zu sagen, wenn es irgendwo klemmt. Deshalb möchte ich Sie heute ermutigen, einen ganz besonders liebevollen Blick auf die zu richten, die im Boot Gemeinde ganz nahe bei Ihnen sind. Vielleicht sind das die Mitarbeiter in der Gruppe, in der Sie sich engagieren, vielleicht ist es ein Mensch, den Sie schon jahrelang im Gebet begleiten. Vielleicht ist es jemand, den Ihnen Jesus immer wieder in den Weg stellt und Sie fast über ihn stolpern. Machen Sie sich die Mühe und nehmen Sie Verantwortung wahr, wenn sie merken, er oder sie hat schlapp gemacht, er oder sie ist dabei, das Boot zu verlassen. Er oder sie schlägt die Ruder in ganz anderem Rhythmus, als es Jesus angibt. Und seien Sie sich bewusst: Niemand ist hier besser oder schlechter, aber wir kommen nur ans Ziel, wenn wir alle auf Jesus hören und von seiner Kraft leben. Dazu gehört auch Korrektur.

Wer führt die Mannschaft?
1.Korinther 4,14+16
Ich sage das nicht, um euch zu beschämen. Ich möchte euch nur auf den rechten Weg bringen. Ihr seid doch meine geliebten Kinder! Darum bitte ich euch: Folgt meinem Beispiel! 

Paulus ist nicht besser oder schlechter als jeder andere in der Korinther Gemeinde. Und doch fordert er die Korinther auf, seinem Beispiel zu folgen. Er versteht sich als der Vater der Gemeinde, der diese Mannschaft zusammen gebracht hat. Sein Vater-Sein gibt ihm Autorität. Schauen wir auf das Vaterbild, das Jesus uns nahe gebracht hat, sehen wir den Vater, der mit offenen Armen auf seinen verloren geglaubten Sohn zuläuft, ihn mit großer Freude und einem Fest wieder aufnimmt und ihm die Abwege vergibt. Paulus ist Vater der Gemeinde, weil er sie gegründet hatte, aber er ist auch Vater im übertragenen Sinn. Er sorgt sich um die sich verirrenden Korinther. Er sucht sie, um sie wieder in die Arme Gottes, des Vaters zurück zu bringen. Sein Motiv ist Liebe zu den Verlorenen, das qualifiziert ihn und lässt ihn Beispiel sein.

Immer wieder sind Menschen Vorbilder des Glaubens geworden, Martin Luther, Martin Luther King, Mutter Theresa und viele andere sind hier zu nennen. Sie alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Arme öffneten für verlorene Menschen, die Gottes Liebe brauchten und sich nach seiner Nähe sehnten. Dieser Blick für Menschen, die Jesus brauchen, ist Maßstab, ob jemand innerhalb der Rudermannschaft zu einem Beispiel wird und Orientierung gibt. 

In Neuenhain müssen wir uns als Leiter der Gemeinde und einzelner Gruppen, Hauskreise und Arbeitsgebiete von Paulus hinterfragen lassen. Liegen uns die Menschen am Herzen, die Jesus noch nicht gefunden haben? Sind sie uns wichtig? Richten wir unsere Gemeindearbeit darauf aus, ihnen den Weg zu Jesus zu zeigen und sie auf diesem Weg zu begleiten? Lassen wir unsere Ruder ins Wasser, weil wir Gottes Liebe in die Welt tragen wollen? Sollten wir bei unserer Arbeit diese Menschen nicht im Blick haben, für die Gott Mensch geworden ist, brauchen wir nicht zu erwarten, dass die Rudermannschaft das Boot voranbringt. Es dreht sich im Kreis um sich selbst.

Am Ende dieses Briefabschnitts fasst Paulus zusammen:
1.Korinther 4,20
Wo Gott seine Herrschaft aufrichtet, tut er das nicht durch Gerede, sondern durch den Erweis seiner Kraft.

Ein Ruderboot, dessen Besatzung auf den Steuermann Jesus hört, das von ihm die Kommandos entgegen nimmt und sich danach richtet, wird viel leichter und schneller dahingleiten, als es rein physikalisch von der Anzahl der Ruderer und ihrer Kraft her möglich ist. Denn Gott verleiht den Ruderern seine Kraft, die Begeisterung fürs Rudern, das Gelingen ihres Teamworks und die Liebe zu Jesus.

Lassen wir uns von Gottes Kraft hier beschenken und setzen wir sie ein für Gottes Mission, Menschen zu gewinnen, für Jesus zu rudern.

Cornelia Trick


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